„Steak tartar? Ah, yes. Steak tartar.“

Vier Freunde werden zu einer privaten Mitternachtsführung im neu eröffneten Wachsfiguren-Kabinett eingeladen. Die dort ausgestellten Figuren bekannter Film-Monster und notorischer Schlachter a la Jack the Ripper entpuppen sich als recht lebendig – und so wird von den Freunden einer nach dem anderen in die Szenerien gesogen und muss sich gegen die dort „lebenden“ Figuren zur Wehr setzen…

Anthony Hickox kreiert mit seinem Erstlingswerk aus dem Jahre 1988 eine nette kleine Horror-Komödie, die gekonnte den Spagat zwischen eben diesen beiden Genre vollzieht. Dabei ist der Film in einzelne „Episoden“ aufgeteilt, die die jeweilige typische Atmosphäre der darin agierenden (hauptsächlich) Universal-Monster ziemlich gut einfängt. So bekommen wir den Wolfman, Dracula oder die Mumie zu sehen. Neben der allgegenwärtigen Komik hat der Film dabei mit einigen expliziten Gore-Effekten aufzuwarten. Lange vor Scream also ein gelungener selbst-referenzierender Horror-Flick und eine wundervolle Hommage an die alten Grusel- und Horror-Streifen.

Add comment | Filme | Daniel,   So 8 Jan 2012

Detective Dee und das Geheimnis der Phantomflammen

China im Jahre 690: Die erste Kaiserin steht kurz vor ihrer Krönung und zu ihren Ehren soll eine gigantische Buddha-Statue errichtet werden. Während der Bauarbeiten kommt es jedoch immer wieder zu mysteriösen Todesfällen. Mehrere Arbeiter verbrennen durch plötzliche und scheinbar unmotivierte Selbstentzündung. Die angehende Kaiserin lässt Detective Dee aus dem Gefängnis holen, in das sie ihn acht Jahre zuvor verbannt hatte: Er scheint der einzige, der den Fall lösen kann…

Von China Daily (1) in der Liste der besten chinesischen Filme des Jahres 2010 geführt und bei den 30sten HongKong Film Awards für etliche Preise nominiert, von denen er einige auch tatsächlich abgeräumt hat – darunter beste Regie und beste „Visual Effects“ (!). Außerdem nominiert für den goldenen Löwen bei den Filmfestspielen in Venedig 2010. Das alles klingt eigentlich recht viel versprechend. – Doch wirklich überzeugt hat mich „Detective Dee und das Geheimnis der Phantomflammen“ nicht. Was klingt wie der Titel einer Episode der drei Fragezeichen oder TKKG hat dabei mit vielen Problemen zu kämpfen. An der Story liegt meine Enttäuschung nicht: Die ist recht spannend geraten und wartet am Ende sogar mit einem netten Plot-Twist auf. Die Charaktere haben es da schon etwas schwerer. Die sind nämlich ausnahmslos ziemlich blass: Die als chinesisches Pendant zu Sherlock Holmes angelegten Figuren entwickeln keinen eigenen Charakter und springen von von CGI-Setting zu CGI-Setting. Womit wir bei dem Punkt wären, der mich wirklich gestört hat: Die technische Umsetzung des Films. – Man sieht dem Werk leider in jeder Minute an, dass es komplett digital gedreht wurde. Die Effekte sind unterirdisch und ploppen mir praktisch permanent entgegen. Und so hat Genre Veteran Tsui Hark ein ziemlich unnötiges, lahmes epische Mystery-Swordsplay abgeliefert, das mehr als einmal unfreiwillig komisch geraten ist.

Als zweiter asiatischer Schwertkampf-Film lief übrigens in Venedig „13 Assasins“ von Takashi Miike. Vielleicht hatte ja der verrückte Japaner ein besseres Händchen für diese Thematik und konnte dem Genre Neues entlocken… (weiterlesen…)

Add comment | Filme | Daniel,   Sa 7 Jan 2012

Gesamtanzahl gelesener Bücher: 54

Top 4:
- Der Aufstieg des Geldes: Die Währung der Geschichte von Niall Ferguson
- Eine Studie in Scharlachrot von Sir Arthur Conan Doyle
- Zeit aus den Fugen von Philip K. Dick
- Tokio im Jahr Null von David Peace

Flop 4:
- Falling Man von Don DeLillo
- Der Katalane von Noah Gordon
- Weil sie sich liebteny von Anita Shreve
- Lisa von Thomas Glavinic

Überraschung:
- Die Entdeckung der Currywurst von Uwe Timm
- Der Simulant von Chuck Palahniuk
- Homicide: Ein Jahr auf mörderischen Strassen von David Simon

Add comment | Other | Daniel,   Fr 30 Dez 2011

„Don’t know if I’m coming up or down“

Extreme Closeups, hektische Schnitte, kaum Licht: Ein namenloser Mann befindet sich eingezwängt in einem dunklen, engen Verlies. Schwarze Wände links und rechts. Es gibt kein oben und kein unten, kein vorne, kein hinten. Wieso er hier ist? – Er weiß es nicht. Wie er wieder herauskommt? – Er hat keine Ahnung. So sehr er sich auch abmüht und durch die engen Kammern kriecht – von einem Raum zum anderen irrt, von einer Hölle in die nächste taumelt – einen Ausgang oder gar eine Erklärung für seine missliche Lage findet er nicht. Was er jedoch findet ist eine Frau, die ebenfalls in diesem Labyrinth gefangen ist…

Shin’ya Tsukamoto erweist er sich in „Haze“, wie bereits in seinen vorherigen Werken so oft, wieder einmal als Auteur, oder besser gesagt als One-Man-Show: Er fungierte als Art Director, Produzent, Kameramann, Darsteller, Regisseur und zeichnete sich für sowohl für Schnitt, als auch für das Drehbuch verantwortlich.
Tsukamoto dreht mit diesem abstrakten, klaustrophobischen Kurzfilm – nur 50 Minuten lang – eine düstere, verstörende Variation von „Cube“. Er bleibt dabei seinem oft variierten Thema der extremen Körperlichkeit und dem Sezieren von verstörenden menschlichen Psychen treu und treibt es zugleich auf die Spitze. In „Snake of June“ (2002) schickte er ein Pärchen in einen erotischen Alptraum, als sie von einem Verrückten gestalked werden. In „Tetsuo“ (1989) wandelt er auf Cronenbergs Pfaden und lässt den Körper eines Büroangestellten in ein eisernes Ungetüm mutieren. In „Haze“ schließlich legt er kryptisches Body-Kino vor, in dem er nach eigenen Aussagen über die „Stadt und die Menschen, die dort leben“ und über die „Unbestimmtheit des Bewusstseins und dessen Verhältnis zum Körper“ reflektiert. Mir scheint es eine Allegorie über das Leben und dessen Unwägbarkeiten zu sein. – Aber was auch immer man in diesem Film sieht oder sehen kann. Was „Haze“ auf jeden Fall ist, ist ein genialer, unkonventioneller Schlag in die Magengrube, gegen den Cube aussieht wie Kindergeburtstag.

Add comment | Filme | Daniel,   Do 29 Dez 2011

Zum 150. Geburtstag von Georges Méliès

Georges Méliès, geboren am 8. Dezember 1861 in Paris, gilt – neben den Brüdern Lumière – als einer der großen Filmpioniere. Zu seinem 150. Geburtstag im Jahre 2011 zeigte das Filmmuseum München einen Querschnitt aus seinem Schaffen…
Méliès Gesamtwerk umfasst weit über 500 Filme, wobei er alleine 1896 nicht weniger als 79 Filme drehte: Da hatte er gerade das neue Medium entdeckt. Als Sohn eines wohlhabenden Schuhfabrikanten war Méliès eigentlich weniger für eine künstlerische Laufbahn prädestiniert und schon gar nicht für die eines Filmemachers. Nicht nur, weil er wohl eher in die Fußstapfen seines Vaters treten sollte, sondern einfach auch deshalb, weil „Film und Kino zu dieser Zeit schlichtweg noch nicht existierte“ (1). Doch Méliès’ Interesse galt von früh auf der Kunst – vor allem der Zauberei -, was dazu führte, dass er nach einem Aufenthalt in London mit seinem Erbanteil das Théâtre Robert-Houdin kaufte, wo er „Zaubervorstellungen, kurze Féerien, Pantomimen und Automaten vorführte.“ (2) Einer seiner ersten Filme war dann auch „Das Verschwinden einer Dame im Theater von Robert Houdin“ (1896), in dem er mithilfe des Stopptricks – der Titel macht daraus kein Geheimnis – einen berühmten Zaubertrick verfilmte und eine Dame verschwinden lies. (weiterlesen…)

Add comment | Filme | Daniel,   Mo 26 Dez 2011